Lars Schmidt
WRITINGS

Vom Wiederherstellen eines Gleichgewichts
Ein kurzes, zwischenzeitliches Resumee

Die Bereiche, für die ich mich interessiert, die ich studiert, in denen ich gelernt und geforscht habe, reichen von verschiedenen Kunstformen über diverse Arten der Landwirtschaft und des Umgangs mit Land bis zu kontemplativen Praktiken und Philosophie.

Letztendlich scheint es mir, dass all diese Bereiche nichts anderes als grundlegende Bestandteile dessen sind, was es heißt, Mensch zu sein, und dass ein Aufteilen dieser Bereiche in verschiedene, von einander unabhängige Disziplinen die Dinge nicht einfacher macht.

Genauso halte ich die Tatsache, in verschiedenen kulturellen und sozialen Kontexten gelebt und Einblick in städtische, ländliche und nomadische Lebensweisen erhalten zu haben, für äußerst lehrreich und wertvoll.

Ich lernte unter anderem verschiedene Arten zu Leben und zu Wohnen kennen, wurde empfindsam für die Eigenheiten verschiedener Bioregionen, unterschiedliche Denk- und Betrachtungsweisen und Methodiken. Diverse kulturellen Zusammenhängen, gesellschaftliche Codes und Organisationsstrukturen und Herausforderungen wurden mir vertraut.

Während der letzten Jahre habe ich außerdem lange Zeiten in der Natur verbracht.
Ich tue das auch weiterhin. Einfach in Ruhe oder beobachtend und hinhörend.
Diese Zeit in der Natur ist sozusagen die Basis geworden.
Aus ihr erwuchs eine für mich grundlegende Betrachtungsweise.
Genauer gesagt artikulierte und entfaltete sich hier eine Betrachtungsweise, die bereits seit der frühen Kindheit existierte.

Ein zentrales Thema ist die Empfindung, dass ich als Mensch nicht für mich selbst lebe und arbeite, sondern als Teil all dessen, was wir „Natur“ nennen.
Somit trage ich zur Natur als Ganzem bei.

Mit anderen Worten: Ich bin mir bewusst, dass jede Handlung, die ich ausführe, von allem anderen beeinflusst ist und gleichzeitig auf alles andere Auswirkungen hat.

Noch einfacher: Ich bin in allem und alles ist in mir.

Dem Leben in all seiner wahrgenommenen Vielfalt gegenüber ist da ein Empfinden von Verwandtschaft, gleichzeitig eine Art sprachloses Staunen.

Daraus entsteht auf natürliche Weise der Wunsch, zu beschützen, zu unterstützen und eigentlich auch zu dienen, sprich: sich dem Ganzen zur Verfügung zu stellen.

Zu spüren, dass mein Tun an Ausbeutung teilhat, oder dass es Leid und Leiden generiert oder aufrecht erhält, das aus vorherrschenden Vorgehens- und Wahrnehmungsweisen hervorgeht, ist auf längere Sicht für mich weder auszuhalten noch vertretbar.

Ich hoffe, dass mein Handeln zum Gemeinwohl beiträgt.
Für mich beinhaltet dieser Begriff das physische, emotionale und spirituelle Wohlergehen einer Gemeinschaft.
Außerdem empfinde ich, dass dieses „Gemeinwohl“ nicht exklusiv für die menschliche Spezies geltend zu machen ist.

Das bedeutet, dass der Begriff der 'Gemeinschaft' für mich Pflanzen, Tiere, Berge, Flüsse usw. mit einbezieht.
Ich denke, das Wohlergehen einer menschlichen Gesellschaft, wie ich es oben beschrieben habe, ist nicht möglich ohne das Wohlergehen des größeren Kontextes, in den sie eingebettet und von dem sie abhängig ist.

Ich möchte aber auch klarmachen, dass es nicht mein Anliegen ist, eine bestimmte Lebensweise zu propagieren, außer vielleicht die, seinem Herzen zu folgen.

In meinem Fall resultiert eine Lebensweise, die ich als ehrlich und authentisch empfinde, in einer Art halb nomadischem und häufig recht prekären Lebensstil.

Ich habe keine finanziellen Mittel oder Rücklagen, um mir einen permanenten Zugang zu Land oder einer Unterkunft zu sichern.

Bislang hat es sich auch nicht ergeben, dass ich an einem Projekt für gemeinschaftliches Wohnen teilgenommen hätte, obwohl ich einige kenne und regelmäßig Informationen an Andere weitergegeben habe, die auf der Suche waren.
Für mich hat das bis dato nicht gepasst.

Ich habe versucht (und tue dies auch weiterhin), aufmerksam für die Art zu sein, in der die Dinge sich präsentierten, für den Weg, der so entstand. Dabei ist ein recht unkonventioneller Pfad herausgekommen, und ich bin mir durchaus bewusst, dass dieser innerhalb der mich umgebenden sozialen und kulturellen Strukturen vielleicht mitunter nicht der nachvollziehbarste ist.
Es ist sicher auch nicht der glücklichste, was sozialen Status und gesellschaftlichen Zugang angeht.
Allerdings, und wie bereits erwähnt, scheinen meinem Weg andere Prioritäten zu Grunde zu liegen.

Zum Abschluss möchte ich meinen aufrichtigen und tiefen Dank aussprechen, für die Unterstützung, die Hilfe und Offenheit, die mir unterwegs begegnet sind.
Wie ich es schon häufig gesagt habe: Wenn Ihr Euch alle treffen könntet!
Was für ein wundervolles Treffen das wäre!